Bericht von der 1. Dialogveranstaltung: Landwirtschaft heute und ihre Umweltauswirkungen

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Am 22. März veranstaltete der Schermbecker OV die erste, von zwei, Veranstaltungen zu dem Thema „Landwirtschaft heute und ihre Umweltauswirkungen“.

Mit der Veranstaltungsreihe möchte die Schermbecker SPD, einerseits die Herausforderungen und Rahmenbedingungen umschreiben, die das heutige landwirtschaftliche Handeln begleiten und prägen. Des Anderen soll ein Teil der agroindustriellen Umweltauswirkungen dargestellt werden. Dazu wurden Referenten eingeladen, die zu ihrem jeweiligen Fachgebiet den umwelttechnischen Einfluss der Landwirtschaft darstellen. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, das Thema interdisziplinär auszuleuchten und dabei klar zu stellen, dass die heutige Landwirtschaft ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft ist und somit das Konsumverhalten die Umweltauswirkungen maßgeblich prägen.

Als erster Referent stellte, Herr Ortslandwirt Rainer Krämer aus Schermbeck- Dämmerwald, die Herausforderungen und Rahmenbedingungen eines modernen Landwirtschaftsbetriebes dar. Herr Krämer stellte deutlich klar, dass die heutigen Landwirte bei wachsenden Betriebskosten, zunehmenden Auflagen sowie steigenden Qualitäts- und Preisforderungen eine nachhaltige Bewirtschaftung der Naturräume leisten müssen. So bleibt es nicht aus, dass zunehmend kleinere Betriebe schließen und nur noch Großbetriebe bestehen können. Hinzu kommt, dass Landwirte heute als Hauptverursacher der gegenwärtig Umweltauswirkungen (Nitarat im Grundwasser, Rückgang von Insekten und Singvögel, Vermaisung, etc.) wahrgenommen werden. Dadurch schwinde zunehmend die Wertschätzung des Landwirtes in der Gesellschaft. Des Weiteren erklärte Herr Krämer, dass unter diesen Gegebenheiten eine starke Zunahme von psychischen Erkrankungen bei Landwirten nicht verwunderlich sei.

Herr Henning Wagner der Stadtwerke Wesel berichtete als zweiter Referent zu dem Thema Nitrat im Grundwasser. Im Einzugsgebiet der Weseler Trinkwasserbrunnen werden den örtlichen Landwirten Ausgleichszahlungen geleistet, die die Düngung auf die Gegebenheiten des Grundwassers ausrichten. Die dadurch entstehenden geringeren Ernten und der höhere Mehraufwand der Bewirtschaftung werden mit einem Budget von jährlich 120.000 € von den Stadtwerken Wesel ausgeglichen. Diese erfolgreiche Kooperation, bewirkte dass sich der Nitratgehalt von 50 mg auf unter 30 mg pro Liter gesenkt hat.

Abschließend referierte Landschaftsökologin Stephanie Krüßmann über das Insektensterben. Festzustellen sei, dass das Insektensterben nicht nur bei Insekten mit sehr hohem Spezialisierungsgrad festzustellen sei, sondern auch bei Insekten die als Generalisten gelten. Frau Krüßmann nannte verschiedene Ursachen für den Rückgang der Biodiversität. Als wahrscheinliche Hauptursache wurden Neonicotinoide und zunehmende Flurbereinigungen aufgeführt. Dabei spiele die Landwirtschaft, aufgrund ihrer Intensiven Landbewirtschaftung eine maßgebliche Rolle. Jedoch sei die Landwirtschaft nicht alleiniger Verursacher. So nehme beispielsweise auch in den Privatgärten die Pflanzenvielfalt stark zurück und ausländische Pflanzarten sowie monotone Steinbeete entziehen den heimischen Insektenarten den Lebensraum. Frau Krüßmann unterstrich, dass es nicht darum gehe den einen Sündenbock zu benennen, sondern die sich selbst an der „eigenen Nase“ zu packen und die Auswirkungen des eigenen Handels stets bewusst zu machen.

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde das komplexe Thema kontroverse diskutiert.